Coaching 4 future
Zehntklässler haben am Einstein-Gymnasium im Rahmen des Projekts „Coaching4Future“ einen Einblick in diverse Naturwissenschaften bekommen. So soll ihnen die Berufswahl später leichter fallen.
Viele Jugendliche wissen noch nicht, wohin die Reise nach der Schule gehen soll. „Angesichts der vielen Möglichkeiten ist das für viele eine Überforderung“, sagt Lehrer Hauke Burggrabe, der am Einstein-Gymnasium die Berufsorientierung koordiniert. Die Angst, eine „falsche“ Entscheidung zu treffen, sei bei vielen Jugendlichen spürbar.
Tatsächlich ist die Auswahl groß: Rund 400 Ausbildungsberufe und etwa 20.000 Studiengänge stehen jungen Menschen heute offen. Um Orientierung zu geben, setzt die Schule unter anderem auf das Projekt „Coaching4Future“. „Seit 2014 machen wir das – und die Resonanz der Jugendlichen ist immer sehr positiv“, erklärt Burggrabe. „Besonders gut kommt an, dass junge Leute Naturwissenschaft und Technik präsentieren. Das hat einen wichtigen psychologischen Effekt.“
Diesmal stand ein interaktiver Workshop für die zehnten Klassen auf dem Programm. An mehreren Stationen konnten die Schüler moderne "Mint"-Themen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) anfassen und diskutieren: von Hochleistungskeramik im künstlichen Hüftgelenk über magnetisch steuerbare Flüssigkeiten bis hin zu Zukunftsvisionen wie dem Hyperloop, der mal mit Flugzeugtempo durch Röhren fahren soll.
Die "Coaches" Cornelia Mittag und Tobias Puzicha, die bewusst in einer Sprache sprechen, die Jugendliche erreicht. „Was Coaching for Future unterscheidet, ist, dass die Teilnehmer direkt mit dem 'Mint'-Bereich in Kontakt kommen, weil sie Dinge ausprobieren können“, sagt Mittag. Außerdem könne man flexibel auf das Interesse der Klasse eingehen.
Auch Puzicha betont, wie entscheidend reale Einblicke sind: „Viele haben zu wenige Kontaktpunkte mit dem Bereich – vor allem, wenn das im Elternhaus keine Rolle spielt.“ Oft komme ein Missverständnis dazu: „Wenn man sagt: ‚Ich bin nicht so gut in Mathe‘, dann verwerfen viele den ganzen Bereich sofort.“ Dabei spiele Teamarbeit, Kreativität und Durchhaltevermögen eine ebenso große Rolle wie Formeln.
Der Fachkräftemangel ist besonders im "Mint"-Bereich spürbar: In Baden-Württemberg kommen derzeit rund 121 offene Stellen auf 100 Arbeitslose. Entsprechend sicher sind derzeit die Chancen auf dem Arbeitsmarkt – vor allem für Absolventen einer Ausbildung. Bei Studiengängen gibt es laut Experten in einigen Bereichen viele Absolventen, in anderen habe man weiterhin Bedarf. Gleichzeitig entstehen neue Felder wie Bio-Chemie oder Bio-Informatik, die zunehmend an Bedeutung gewinnen.
Zum Schluss bekamen die Zehntklässler noch ein Tool an die Hand: Über einen QR-Code führt ein Selbsttest – der „Karriere-Navigator“ – zu passenden Ausbildungsberufen und Studiengängen im "Mint"-Bereich. Die Idee: nicht früh festnageln, sondern Interessen und Stärken sortieren.
Schüler Yannick Mathieu fand die Veranstaltung lehrreich – auch wenn er seinen Weg bereits gewählt hat: Er will zur Bundeswehr. Angst vor einer falschen Entscheidung hat er nicht: „Am Ende kann ich mich umentscheiden.“
Kehler Zeitung: Von Irina Kliagina












