Die Welt nicht lassen, wie sie ist

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Einen Klassiker der Weltliteratur mit 30 jungen Darsteller*innen auf die Bühne des Schultheaters bringen? Der großen Theater-AG des Einstein-Gymnasiums gelang an zwei Abenden dieser gekonnte Streich mit Schillers Schauspiel „Die Räuber“. Sie wurde in der vollbesetzten Aula des Schulzentrums mit begeisterter Resonanz belohnt. Leiterin Luisa Luem und ihre vielköpfige AG wandelten auf Schillers Spuren, indem sie dem bekannten Sturm-und-Drang-Drama neues Leben einhauchten und doch die Wortgewalt und Sprengkraft des Originals bewahrten. Zur Hilfe kam ihnen dabei eine modernisierte Fassung der „Räuber“ von Theater-Regisseur Felix Krakau. In dieser steht nicht der Konflikt der Brüder Karl und Franz von Moor im Vordergrund, sondern Tatendrang und Übermut der Räuberbande: Ohne Rücksicht auf Verluste wollen sie die Gesellschaft verändern. Zugleich nahm die Theater-AG wieder mehr Originalpassagen auf und verlieh dem Schauspiel mit einer großen Besetzung (in der Mehrzahl Mittelstufenschüler*innen) eine besondere Dynamik.

Das zeigte sich gleich zu Beginn der Inszenierung, als die Räuberbande auf der Bühne eindrucksvoll anschwoll und für sich reklamierte, das Zentrum der Handlung zu sein: „Heißt ja auch ‚Die Räuber‘ und nicht ‚Karl – das Stück‘“, wie Intrigant Spiegelberg süffisant feststellte. Ob kleine oder große Räuber, Mitläufer oder Antreiber – man merkte den Schüler*innen die Spielfreude in jeder Szene an. Mal im Chor, oft im fließenden Wechsel präsentierten die jungen Schauspieler*innen eine Räuberbande, die sich – angeführt von Karl von Moor – in den böhmischen Wälder einrichtete, um „alles auf Anfang“ zu setzen und die „Mächtigen dieser Lande“ aufzuschrecken. Dabei wurden im Laufe der Handlung die Brüche, die zwischen den Räubern verliefen immer deutlicher. Die guten Absichten wandelten sich zu bösen Gewalttaten, die Ideale schlugen in innere Konflikte und zerfallende Gruppen um. Die Klammer der Bande blieb dabei Anführer Karl: Die doppelte Besetzung der AG zeigte einen gespaltenen Charakter, zum einen den suchenden, nachdenklichen Karl (gespielt von Zehntklässlerin Finja Koob). Andererseits beeindruckte Karl auch als wütender Erzähler (durch Oberstufenschülerin Sophia Tarassov), der mit flackerndem Blick die Vergangenheit zurückholte. Trotz des Kollektivs der Räuber kamen nämlich auch Solo-Rollen nicht zu kurz.

Ludvik Löffler überzeugte als toxischer Bruder Franz, bei dem auch die radikalen Töne des Originals besonders widerhallten („Ich will alles um mich her ausrotten, was mich einschränkt …“). Gemeinsam mit „best buddy“ Herrman (Milo Gustafson) versuchte er dem leidenden Vater (Matthias Scheib), der wiederum treu gepflegt wurde von Dienerin Daniela (Laetitia Luft), einen Todesstoß aus Intrigen zu versetzen. Von der Geliebten seines Bruders Karl, der unglücklichen Amalia (Yaara Jung), wurde er dagegen resolut in die Flucht geschlagen. Und auch Möchtegern-Chef Spiegelberg (Emily Nguyen), der das „rich kid“ Karl ständig um die Führung der Bande beneidete, kam nicht zum Zug. So standen bald alle Figuren vor einem Scherbenhaufen, den sie in der Welt hinterlassen hatten und den die Managerin des Räuberlagers (Mara Kulic) desillusioniert kommentierte.

Doch hätte alles so kommen müssen? Im letzten Teil des Stücks traten die Figuren wieder neben sich, schauten auf ihr Ende und stellten das Schicksal in Frage: Hatte nicht jede*r die Freiheit gehabt, eigene Entscheidungen zu treffen? Im furiosen Finale gelobten die Räuber, es besser zu machen, und sangen und tanzten gemeinsam (glänzend einstudiert dank der Kooperation mit der Hip-Hop-Tanzschule „The School“ in Offenburg). „Und diese Sachen die gehen nur zusammen“, lautete einer der letzten Verse der Aufführung und das galt auch für das beeindruckende Gemeinschaftswerk der Theater-AG: Neben den überzeugenden Darsteller*innen und dem liebevoll gestalteten Bühnenbild (Lotte Saam und Lea Vogeley) sorgte die Zusammenarbeit mit der eingespielten Technik-AG sowie der Kostüm-AG von Simone Woitas für ein beeindruckendes Gesamterlebnis.

(Hbr)